Es war einmal …Bolivien, der Klimawandel, PROAGRO und ich.
Es war einmal… ein Land in dem es kein McDonalds, kein Starbucks oder Applestore gibt.
Ein Land in dem Milch im Tetra Pack und Laptops für Professoren als Neuheiten groß auf Werbetafeln angekündigt werden, in dem es kaum Wechselgeld oder ein digitalisiertes Einreisesystem gibt. Ein Land mit Marine aber ohne Meer, in dem Coca-Anbau legal ist und vier Tage vor einer Wahl ein Alkoholverbot verhängt wird. Ein Land mit dem weltgrößten Salzsee und Vorkommen von Lithium. Ein Land voller Vielfalt, von Wüsten über Gletscher über Regenwald, in dem 37 Sprachen gesprochen werden, in dem es über 800 Kartoffelsorten gibt, in dem Flamingos in roten und grünen Lagunen auf 4200 Metern Höhe Rast halten und Strauße neben Lamas die Prärie durchqueren.
Es war einmal…eine Stadt, Nuestra Señora, die höchste ihrer Art. Eine Stadt ohne Wasserkläranlage, Bushaltestellen und Fußgängerampeln, deren einzigartige Klangharmonie aus Autoalarmanlagen, Hundegebell und Marschkapellen ein dreifaches Echo erschallen lässt. Eine Stadt, in der Geschäfte nach Lust und Laune öffnen, Piloten eine Sondergenehmigung brauchen, Taxifahrer keine Kilometerzähler besitzen und Zebras Fußgängern behilflich sind, Straßen zu überqueren. Eine Stadt in der es 8°C und 40 °C zugleich sein kann.
Es war einmal…ein Volk, das mehrere Monate hunderte von Kilo- und Höhenmetern zurücklegte, um einen Straßenbau zu verhindern und einst einen einwöchigen Wasserkrieg zur Entprivatisierung der Naturressource führte. Ein Volk dessen politischem Wortspiel kaum Grenzen gesetzt sind und die EVOlución den erhofften nuEVO Wechsel bringt. Ein Volk, das eine Justizwahl mit 60% der stimmberechtigen Wähler boykottiert und fast täglich Straßenblockaden und Demonstrationen organisiert, Frauen in Röcke und Hüte gekleidet ihre Kinder in Tüchern tragen und Männer mit Spitzhüten in auffälligen Neonfarben ihren Kopf bedecken.
Es war einmal…ein Klima, unberechenbar, das immer wärmer wird, aber manchmal auch kälter. Regen, der seltener aber intensiver fällt, oft viel zu spät aber manchmal auch zu früh. Alte und neue Plagen, die Pflanzen häufiger befallen, Hagelschauer und Frost, die die Ernten vernichten. Überschwemmungen, Erdrutsche, Waldbrände. Ein Klima, das traditionelles Wissen vor neue Herausforderungen stellt, die einzige Lebensgrundlage gefährdet, Menschen zwingt, den Ort zu wechseln. Ein Klima, welches aber auch Kreativität fördert, wenn es darum geht, den Boden vor dem Austrocknen zu schützen und den Nutzpflanzenanbau auf vorher unvorstellbaren Höhen ermöglicht.
Es war einmal… ein Projekt, der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Ein Projekt mit dem Ziel der Förderung eines gleichwertigen Zugangs zu Wasserressourcen, der technischen Unterstützung bei der Produktion und Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten sowie einer Ausweitung des Zugangs zu Technologien im Agrarsektor. Ein Projekt, das in seine zweite Phase getreten ist und sich den neuen Herausforderungen in Zeiten des Klimawandels stellt. Ein Projekt mit dem Anspruch auf 700 Metern Höhe genauso gut zu funktionieren wie auf 4200 Metern, bei 48°C oder -10°C, bei Regen und bei Dürre, für Frauen und für Männer. Ein Projekt, das seine Adressaten aktiv einbindet, neue Kooperationen schafft und Kapazitäten aufbaut und bereits für einige Landwirte bessere und stabilere Lebensgrundlagen geschaffen hat.
Es war einmal… eine Stipendiatin des Mercator-Kollegs, die in diesem Land viel gelernt hat und des Öfteren vor klimatische und kulturelle Herausforderungen gestellt worden ist. Die aufgrund der Höhe zahlreiche schlaflose Nächte hatte, in den Genuss des Tangotanzens und diverser frisch gepresster Säfte gekommen ist. Eine Stipendiatin, voll Erwartungen und voll Vorfreude, die bei Weitem übertroffen wurden, die sehr dankbar für diese Erfahrungen ist und voller Neugier auf die Geschichten ihrer Wegbegleiter und Wegbegleiterinnen in die Schweiz reisen wird.


